Kapitän Wakusch – der Schriftsteller Giwi Margwelaschwili

Das Leben des Schriftstellers und Philosophen Giwi Margwelaschwili verlief in Deutschland und Georgien, in absurden Brüchen und Wendungen und markiert von zwei totalitären Gesellschaften: dem Nationalsozialismus in Deutschland und dem sowjetischen Realsozialismus in Georgien.

Geboren 1927 in Deutschland, suchte Giwi Margwelaschwili Anschluss als Berliner Gymnasiast an die von den Nazis verfolgte Swing-Jugend. 1946 wurden er und sein Vater durch den sowjetischen Geheimdienst in Ost-Berlin, später dann im sowjetischen Speziallager Sachsenhausen inhaftiert. Nach der Erschießung des Vaters in Tbilisi wurde er 1947 nach Georgien verschleppt. Er konnte ein Germanistik-Studium aufnehmen und verfasste im Laufe der Zeit rund 40 unveröffentlichte Bücher auf Deutsch. 1966 und 1972 erhielt er Besuche Heinrich Bölls und kehrte ab 1989 nach Ost-Berlin zurück, wo er 1990/91 Stipendien des DAAD und der Heinrich-Böll-Stiftung erhielt. Ab 1993 wählte er Berlin als ständigen Wohnsitz, veröffentlichte eine Reihe von Werken, erhielt zahlreiche Literaturpreise in Georgien und Deutschland bis er 2011 nach Tbilisi zurückkehrte.

Sein Werk reflektiert die totalitären Ideologien seiner Zeit, und auch sprachlich bildet er das deutsch-georgische Zwangsschicksal ab, humorvoll und mit kreativ-philosophischen Wort- und Lautspielereinen. In seiner 40jährigen „Nachkriegsgefangenschaft“, wie er sein damaliges georgisches Exil nannte, als „‚Wartbürger‘ im kolchosischen Häuschen gefangen“ entwickelte Giwi Margwelaschwili ein umfassendes Werk deutscher Literatur, zunächst ohne Chance auf Veröffentlichung. In den sowjetischen Jahren entwickelte er eine Philosophie und Ästhetik, die sich auf die Veränderlichkeit der Welt konzentrierte. Der Unterschied zwischen der Welt des Buches und der realen Welt wie das Vorrangige der Vorstellungskraft der Leser in beiden Welten waren seine zentralen Themen. Sein umfangreiches deutschsprachiges Werk ist eine tiefgehende Auseinandersetzung mit totalitären Kontexten, der Freiheit des Einzelnen und der existentiellen Fremdheit in der Welt.

Der Kurzdokumentarfilm „Kapitän Wakusch - Der Schriftsteller Giwi Margwelaschwili“ (30min, entstanden 2021 mit Unterstützung der Heinrich-Böll-Stiftung) erzählt die Lebensstationen und literarisch-philosophische Entwicklung des großen und dabei doch weitgehend unbekannten deutsch-georgischen Schriftstellers, eng angelehnt an seinem umfangreichsten literarischen Werk, dem autobiografisch gefärbten Roman „Kapitän Wakusch“.

Im Anschluss an die Filmpremiere vertiefen wir im Gespräch die Würdigung des Schriftstellers mit seinem engen Freund Ekkehard Maaß, der auch Protagonist des Films ist, und reflektieren Fragen zur (post-)sowjetischen Zeit- und Kulturgeschichte mit dem Literaturwissenschaftler Zaal Andronikashvili. Von der Filmemacherin Kerstin Nickig erfahren wir mehr über Kontext und Motivation ihres Dokumentarfilms.

Mit

Moderation: Walter Kaufmann, Leiter Referat Ost- und Südosteuropa, Heinrich-Böll-Stiftung

Weitere Informationen finden Sie hier.

07.12.2021 | 17.00 Uhr

Giwi Margwelaschwili

Film und Gespräch

Ort
Kino Sputnik

Hasenheide 54/5th

10967 Berlin