Schäfchen im Trockenen und Coming of Karlo

Anke Stelling und Lisa Kränzler lesen aus ihren Romanen. 

 

Zu den Büchern:

"Schäfchen im Trockenen"

Resi hätte wissen können, dass ein Untermietverhältnis unter Freunden nicht die sicherste Wohnform darstellt, denn: Was ist Freundschaft? Die hört bekanntlich beim Geld auf. Die ist im Fall von Resis alter Clique mit den Jahren so brüchig geworden, dass Frank Lust bekommen hat, auszusortieren, alte Mietverträge inklusive. Resi hätte wissen können, dass spätestens mit der Familiengründung der erbfähige Teil der Clique abbiegt Richtung Eigenheim und Abschottung und sie als Aufsteigerkind zusehen muss, wie sie da mithält. Aber Resi wusste’s nicht. Noch in den Achtzigern hieß es, alle Menschen wären gleich und würden durch Tüchtigkeit und Einsicht demnächst auch gerecht zusammenleben. Das Scheitern der Eltern in dieser Hinsicht musste verschleiert werden, also gab’s nur drei Geschichten aus dem Leben ihrer Mutter, steht nicht mehr als ein Satz in deren Tagebuch. Darüber ist Resi reichlich wütend. Und entschlossen, ihre Kinder aufzuklären, ob sie’s wollen oder nicht. Sie erzählt von sich, von früher, von der Verheißung eines alternativen Lebens und der Ankunft im ehelichen und elterlichen Alltag. Und auch davon, wie es ist, Erzählerin zu sein, gegen innere Scham und äußere Anklage zur Protagonistin der eigenen Geschichte zu werden.

 

"Coming of Karlo"

Der neue Roman der gebürtigen Ravensburgerin Lisa Kränzler spürt der Entwicklung von toxischer Männlichkeit nach.

Im Mittelpunkt steht Karlo, ein Jugendlicher, der herausfindet, dass sein Vater vermutlich nicht sein Vater ist. Daher hält er es für gerechtfertigt, beleidigt zu sein und sich rücksichtslos zu verhalten. Fast manisch treibt er Sport, er fährt Rad noch weiter als er kann, schwimmt längere Strecken als er kann. Karlo lernt Gwen kennen. Eine starke junge Frau, in die er sich verliebt und sie sich in ihn. Einmal aber weist sie ihn zurück. Er fühlt sich gekränkt und verschwindet in den Wald. Gwen sucht ihn, möchte sich versöhnen, doch Karlo lässt sie nicht mehr an sich herankommen. Es kommt zu einer Konfrontation, die in einer Katastrophe endet... Was bleibt, wenn die Sprache versagt?

Wie in »Nachhinein« und »Export A« setzt sich Kränzler auch in diesem Buch mit der Grausamkeit von Kindern und Jugendlichen auseinander. Durch die unterschiedlichen Perspektiven kommen die Leser nicht nur Karlo und Gwen nahe, sondern es wird auch klar, welche Auswirkungen Karlos Verhalten auf seine Umgebung, seine Freundschaften, seine Familie hat.

 

Zu den Autorinnen:

Anke Stelling, 1971 in Ulm geboren, absolvierte ein Studium am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. 2004 wurde ihr gemeinsam mit Robby Dannenberg verfasster Roman „Gisela“ verfilmt, 2010 die Erzählung „Glückliche Fügung“. Weitere Veröffentlichungen: „Nimm mich mit“ (2002, gemeinsam mit Robby Dannenberg), „Glückliche Fügung“ (2004) und „Horchen“ (2010).

Anke Stelling stand mit ihrem im Verbrecher Verlag erschienenen Roman „Bodentiefe Fenster“ (2015) auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2015. Zudem stand der Roman auf der Hotlist 2015 der unabhängigen Verlage und wurde mit dem Melusine-Huss-Preis 2015 ausgezeichnet. 2017 erschien ihr Roman „Fürsorge“ im Verbrecher Verlag. Für ihren neuesten Roman "Schäfchen im Trockenen" (2018) hat Anke Stelling den Leipziger Buchpreis 2019 erhalten.

 

Lisa Kränzler, geboren 1983, ist bildende Künstlerin und lebt in Dresden. Sie studierte Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe und war 2010/11 Meisterschülerin bei Prof. Tatjana Doll. Seither diverse Gruppen- und Einzelausstellungen.

Ihr Debütroman »Export A« erschien im Frühjahr 2012 im Verbrecher Verlag. Er wurde für den Klaus-Michael Kühne-Preis 2012 und für den Rauriser Literaturpreis 2013 nominiert. Im Juli 2012 erhielt sie den 3sat-Preis bei den »Tagen der deutschsprachigen Literatur«, kurz Bachmann-Wettbewerb, in Klagenfurt, für einen Auszug aus ihrem zweiten Roman »Nachhinein«. Ihr Roman »Lichtfang« erschien 2014.

 

03.09.2019 |

Lisa Kränzler

Anke Stelling

Lesung

Ort
Haus des Buches: Literaturhaus Leipzig

Gerichtsweg 28

04103 Leipzig

www.literaturhaus.net

http://www.haus-des-buches-leipzig.de/