Material Müller. Das mediale Nachleben Heiner Müllers

Material Müller. Das mediale Nachleben Heiner Müllers

Stephan Pabst / Johanna Bohley (Hg.)
Broschur, 480 Seiten, lfb texte 6
Preis: 24,00 €
ISBN: 9783957322746


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Kaum ein Autor erregte in der ersten Hälfte der 1990er Jahre mehr öffentliches Aufsehen als Heiner Müller. Die Interviews, die er in dieser Zeit gab, genossen Kult-Status. Als Intendant des Berliner Ensembles, als Präsident der Akademie der Künste/Ost war er einer der wichtigsten Akteure des literarischen Lebens nach 1989. Seine Kontakte zur Staatssicherheit waren einer der zentralen Gegenstände des sogenannten deutschdeutschen Literaturstreits. Als er 1995 starb, wurde seine Beerdigung live im Fernsehen übertragen. Seine große Popularität fiel in eine Zeit, in der Müller als Autor kaum noch produktiv war. Quantitativ ist er mehr mit der Kommentierung seines Werks befasst als mit dessen Fortsetzung. Der Moment seiner größten Popularität fällt mit dem Moment seiner Historisierung zusammen. Die Beiträge des Bandes gehen von der Beobachtung aus, dass die Zahl der Müller-Referenzen in Theaterinszenierungen, Dramentexten, Romanen, Gedichten, Hörspielen, Interviews überwältigend ist, und fragen, was wie von Müllers Texten, Statements, Inszenierungen und Selbstinszenierungen bleibt oder verworfen wird, wie sich Kritik und Zustimmung, Fortsetzung und Historisierung zueinander verhalten.

 

Mit Beiträgen von Kai Bremer, Birgit Dahlke, Andreas Degen, Norbert Otto Eke, Helen Fehervary, Hans-Edwin Friedrich, Terry Galloway, Robert Gillett, Bernadette Grubner, Jost Hermand, Hannes Höfer, Torsten Hoffmann, Astrid Köhler, Alexander Löck, Robert Mießner, Stephan Pabst, Patrick Primavesi, Anja Quickert, Jan Röhnert, Kristin Schulz, Marc Silberman, Janet Swaffar und Heribert Tommek.

Material Müller erlangt damit sowohl eine eminente Bedeutung in der konkreten literaturwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit den Fortschreibungen des DDR-Dramatikers, ist aber ebenso konzeptuelles Vorbild für eine methodenbewusste Literaturwissenschaft als Disziplin, die nach der modellhaften Ausstrahlung von Ästhetik fragt.

Simon Scharf / literaturkritik.de

 

Insgesamt entsteht ein lebendiges Mosaik von Kontakten und Verknüpfungen - intertextuell und biographisch, das die Person Müller, seine Autorschaft und seine Texte als Material in verschiedensten Ausformungen offenlegt.

Florian Vaßen / Zeitschrift für Theaterpädagogik

 

In den 90ern war der Sog dieser wie aus Stein gehauenen und doch postmodernen Sprache enorm, im neuen Jahrtausend stieß das Pathetische daran zunehmend ab, die Fortschrittsverneinung schien irgendwie auch kokett. Jetzt ändert sich das gerade wieder, und die Schönheit der Form tritt nach vorne. Rein subjektiv gesprochen natürlich, die Rezeption insgesamt scheint mit ein paar Dutzend Inszenierungen im Jahr konstant, und die Nachwirkung reißt nicht ab, wie eine Publikation zu Müllers „medialem Nachleben“ schön zusammenfasst: „Material Müller“ (Verbrecher Verlag, 2018).

Petra Kohse / Berliner Zeitung

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