Kalanag. Die kontrollierten Illusionen des Helmut Schreiber

Kalanag. Die kontrollierten Illusionen des Helmut Schreiber

Rolf Aurich
Broschur, 184 Seiten mit Abbildungen, 2. Auflage
Preis: 16,00 €
ISBN: 9783957321527


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Helmut Schreiber (1903 - 1963) pflegte als Zauberkünstler und als Filmproduzent mit den Größen des magischen Metiers ebenso Umgang wie mit denen des Naziregimes.

Auftritte vor Hitler auf dem Obersalzberg waren Höhepunkte in der Karriere des „Kalanag“, wie er sich seit den 1920er-Jahren nannte. Der NSDAP gehörte er ab 1939 an. Parallel dazu hatte sich Schreiber des Films bemächtigt – in München tauchte sein Name um 1923 erstmals auf, zunächst als Aufnahmeleiter, dem in Geiselgasteig auch Alfred Hitchcock begegnete.

Der Wechsel nach Berlin brachte ihn in Kontakt zu jüdischen Filmproduzenten und -künstlern, in der frühen Tonfilmzeit stieg Schreiber zum Produktionsleiter auf. Sein einst befreundeter Kompagnon, der Filmarchtitekt Max Heilbronner, war zu dieser Zeit schon aus Deutschland geflohen, die gemeinsame Produktionsfirma gehörte nun Schreiber. Eine seiner letzten Berliner Produktionen war 1939 das offen antisemitische Musical „Robert und Bertram“, im Anschluss ging er zurück nach München als Stellvertreter des Bavaria-Produktionschefs Hans Schweikart, den er 1942 beerbte. 1943 reiste er im Tross des Reichsministers Albert Speer nach Nordeuropa und zauberte zur „Weihnachtsfreude“ der deutschen Besatzungssoldaten.

Sein Entnazifizierungsverfahren, zunächst in München, dann in Hamburg, blieb voller Widersprüche. Mochte Schreibers Filmkarriere auch beendet sein, so gelang ihm bereits unmittelbar nach der Währungsreform 1948 ein sagenhafter Neuaufstieg als Berufszauberer „Kalanag“, dessen aufwändige Show weltbekannt wurde. Auf den Film als bestes Kontrollinstrument seiner magischen Arbeit mochte er indes nicht verzichten, entschleiert die Zeitlupe doch jeden Fehler des Zauberers.

Unter Nutzung bislang unbekannten Film- und Archivmaterials nähert sich dieser Band dem rätselhaften Komplex „Kalanag“ mit der Methode der ausschnitthaften Vergrößerung.

 

Das Buch erscheint im Rahmen der Filmliteratur-Reihe »Filit«. Sie wird von Rolf Aurich und Wolfgang Jacobsen herausgegeben und entsteht in Zusammenarbeit der Deutschen Kinemathek mit dem Verbrecher Verlag.

Endlich, 50 Jahre nach Schreibers Tod, hat der Filmhistoriker Rolf Aurich die Lupe zur Hand genommen. Er hat die frühsten Aufsätze des 16-Jährigen in der "Magie" gefunden. Er fand die Filmproduktionsfirma, die Schreiber 1932 mit dem Juden Max Heilbronner gegründet hatte und die zwei Jahre später nur noch auf seinen Namen lautete. Und er fand Unterlagen zur "Gleischschaltung" der deutschen Zauberer.

Hanns-Georg Rodek / DIE WELT

 

Die aufmerksame Quellenlektüre wird ergänzt durch Seitenblicke auf Schreibers filmische Tätigkeit sowie durch einige Exkurse – ein besonders eleganter führt zu einer Columbo-Folge, in der Peter Falks Kommissar einen Nazi-Zauberer dingfest macht. [...] Vielleicht steckt andersherum in jedem guten Historiker immer auch ein Kriminalpolizist. Jedenfalls operiert Aurich bei seiner Entzauberung Kalanags mit einem historischen Kronzeugen. Das Buch zeichnet noch eine zweite deutsche Karriere nach, die parallel und im Schatten des Illusionskünstlers verlief. Der jüdische Filmarchitekt Max Heilbronner war bis 1933 Schreibers Geschäftspartner, Freund und Mitbewohner.

Lukas Foerster / der Freitag

 

In der Filmbranche konnte er nach dem Krieg nicht mehr arbeiten, dafür war er zu belastet. Aber es gelang ihm perfekt, sich in keinem Netz zu verfangen. Viele, die die Nazis hassten, sind ihm auf den Leim gegangen. Dieses Lügennetz aufzuknüpfen, war Aurichs Detektivarbeit: Der gute Historiker ist das Gegenteil des Zauberers.

Thomas Brandlmeier, FILMDIENST 2016/22

 

Das Buch ist hervorragend recherchiert und spannend zu lesen.

Hans Helmut Prinzler

 

Rolf Aurichs Werk gibt den Anstoß, eine Forschungslücke zu schließen. Dabei erweist sich die Person „Helmut Schreiber“ alias „Kalanag“ nicht nur als eine überaus interessante Person der Zeitgeschichte, sondern vielmehr sind die Netzwerke – in denen er sich über Jahrzehnte mühelos bewegte – in jedem Falle auch eine nähere Betrachtung wert. Rolf Aurichs kleines Buch ist eine außerordentlich gelungene Einstiegslektüre in Sachen „Kalanag“.

Susanne Benöhr-Laqueur / socialnet Rezensionen

 

Ein Interview mit Rolf Aurich auf Deutschlandradio Kultur können Sie hier nachhören.