1976. Die DDR in der Krise

1976. Die DDR in der Krise

Karsten Krampitz
Broschur, 176 Seiten
Preis: 18,00 €
ISBN: 9783957321459


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Es hätte so schön sein können: Vor vierzig Jahren wurde der Palast der Republik eröffnet. Bei den Olympischen Sommerspielen in Montreal errang die DDR vierzig Goldmedaillen, der »Arbeiter- und Bauernstaat« war zur olympischen Weltmacht aufgestiegen. Erich Honecker löste Willi Stoph im Amt des Staatsratsvorsitzenden ab und war nun auch nominell der erste Mann im Staat. Und doch war das Jahr 1976 eine Zäsur in der Geschichte der DDR. Ein Erosionsprozess nahm seinen Anfang, der schließlich den SED-Machtapparat einstürzen ließ.

Denn Erich Honecker hatte im Frühjahr nichts Besseres zu tun als eine Anthologie zu verbieten: »Berliner Geschichten «, herausgegeben von den Schriftstellern Ulrich Plenzdorf, Klaus Schlesinger und Martin Stade. Evangelische Bischöfe stritten über das Parteiprogramm der SED im Vorfeld des IX. Parteitags. In Ostberlin ätzte Santiago Carrillo gegen Breschnews Betonkommunismus – und im SED-Zentralkomitee zeigte man sich entsetzt, ob der »unqualifizierten Ausfälle« des spanischen KP-Chefs. Dennoch wurde Carrillos Rede ungekürzt im Neuen Deutschland gedruckt.

1976 starben zwei Menschen an der Grenze: Michael Gartenschläger, ein freigekaufter Ex-Häftling, der innerhalb eines Monats dreimal an dieselbe Stelle der Grenze gegangen war, um dort Selbstschussapparate abzumontieren, und Benito Corghi, ein italienischer Fernfahrer, der von einem DDR-Grenzer am Grenzübergang erschossen wurde.  Doch anders als Gartenschläger war Corghi kein »Provokateur«, vielmehr ein Familienvater, der seiner Arbeit nachgehen wollte und noch dazu Mitglied der Kommunistischen Partei Italiens war. Am 18. August geschah das Unvorstellbare: Auf dem Marktplatz in Zeitz übergoss sich der Pfarrer Oskar Brüsewitz mit Benzin und zündete sich an. Drei Monate später wurde Wolf Biermann ausgebürgert und Robert Havemann unter Hausarrest gestellt.


Karsten Krampitz, Schriftsteller und Historiker, liefert mit »1976. Die DDR in der Krise« einen profunden Beitrag zur Aufarbeitung der Aufarbeitung – ohne Verklärung und ohne Dämonisierung der DDR.

 

An wenigen Episoden zeigt er, wo und wie der Abstieg begann. Und Krampitz kann erzählen, er vermag die kleinen Anekdoten des Alltags sorgfältig auszumalen und beweist einen Sinn für das Skurrile und für die Pointen, aus denen Geschichtsschreibung eben auch besteht. Sein Sachbuch über das Scheitern der DDR liest sich streckenweise leicht wie ein Unterhaltungsroman, der Autor führt uns vor, ohne sich anzubiedern oder gefällig zu wirken, wie vergnüglich Wissenschaft sein kann.

Andreas Baum / Deutschlandradio Kultur

 

Krampitz’ Buch gelingt ein differenzierter Blick auf die Geschichte der DDR, die vielschichtiger und komplizierter war, als sie heute oftmals dargestellt wird. Es zeigt dabei nicht nur die Verbitterung und Resignation, die dem Krisenjahr folgte, sondern erinnert auch an den „Hauch von Frühling“, der für kurze Zeit ein erstarrtes Land durchwehte.

Andreas Förster / Frankfurter Rundschau

 

Krampitz gehört zu den besten Kennern der DDR-Spätphase ...

Christian Schröder / Der Tagesspiegel

 

Man muss noch einmal den Historiker Karsten Krampitz lesen.

Jana Hensel / Die Zeit

 

Karsten Kampitz schildert diese und weitere Ereignisse des Jahres 1976 und ordnet sie historisch ein. Er kann glaubhaft machen, dass sie wesentlich dazu beigetragen haben, dass die DDR dreizehn Jahre danach in sich zusammenfiel.

Urs Meier / Journal 21

 

Karsten Kampitz hat mit diesem Buch eine Tür zur Diskussion um die DDR und die Lebensbedingen aufgestoßen, durch man nur noch gehen muss. Der Erkenntnisgewinn, auch hinsichtlich dessen, was man für die Zukunft wollen soll, wird um so größer sein, um so weiter man sich vom Apologetentum bei der Geschichtsbetrachtung entfernt. Einen wichtigen Beitrag dazu leistet dieses Buch.

Leander Sukov / Literaturglobe. Rezensionen, Kommentare, Kolumnen

 

Ankläger und Apologeten – dieses Begriffspaar wählt Karsten Krampitz, um die Historiker, die sich mit der DDR-Geschichte befassen, einzuteilen. In seinen Augen gibt es hier ein Entweder-oder-Denken, das nur selten aufgebrochen wird. In seinem Buch „1976 – die DDR in der Krise“ versuchte er einen dritten Weg zu beschreiten...

Andreas Rüttenauer / Taz


Ein Jahr, in dem eine leichte Brise durchs Land weht – durch den Eurokommunismus, dessen Führer sich im Juni zu einer Konferenz in Ostberlin treffen. [...] Auch wenn der Fokus nicht auf dem Alltag normaler Leute liegt, wie es im Vorwort heißt, liest man das Buch mit Gewinn.

Michael Angele / der Freitag

 

... 1976. Die DDR in der Krise, einem ungemein elegant, unterhaltsam und faktenreich geschriebenen Essay [...] Spannend und auf Recherchen des Autors beruhend auch, was Krampitz über die Reaktionen der evangelischen Kirche in der DDR auf die Selbstverbrennung des Pfarrers Brüsewitz berichtet.

Andreas Heckmann / Am Erker. Zeitschrift für Literatur


Ein ausführlliches Gespräch mit Karsten Krampitz auf Deutschlandradio Kultur können Sie hier nachhören.

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